Gold ohne Glanz?

Mit bloßen Hämmern schlagen sie Brocken aus dem Gestein. Schwitzwasser tropft an den Höhlenwänden ab, es ist dunkel, stickig, unheimlich.

Jeder kennt die Geschichten von toten Kumpeln. Die beim Abstieg in den Schacht auf den rohen Stammbalken abgerutscht sind, die Untertage von Wassereinbrüchen überrascht wurden oder die plötzlich Kopfschmerzen und Atemnot hatten, deren Gesichter anschwollen und die dann unter unmenschlichen Schmerzen verreckten. Und alles für das schillernde Symbol des Reichtums: Gold.

Multimediale Ausstellung und Vortrag:

Eine Reise zu konventionellen Goldschürfern und Fairtrade Kooperativen in Afrika.

Ausgerüstet lediglich mit einer kleinen Kopflampe, genau wie die Kumpel in Ostafrika, begeben sich die Besucher der multimedialen Ausstellung in die nachgebauten Minenschächte in einer uns zur Verfügung stehenden Kartoffelscheune auf dem Hof Klein Witzeetze 6.

Rund 15-20 Millionen Menschen arbeiten heute über den ganzen Globus verteilt in rudimentären Goldminen, 1/3 davon Frauen und Kinder. 80 % des weltweit geförderten Goldes werden von der Schmuckindustrie konsumiert. Wenig andere Modeerscheinungen können auf eine derart lange und globale Leidensgeschichte zurückblicken. In fast allen Gesellschaften seit Menschheitsgedenken nimmt Gold einen besonderen Platz ein, stets ist es Symbol für Reichtum, Schönheit und Macht. Die Pharaonen schmückten damit ihre Tempel; wir unsere Eheringe, ein Fokus unserer Ausstellung, den Oscar und den FIFA Pokal.

Jan-Spille-Schmuck-konventioneller-Bergbau-03Im Oktober 2017 bereist der Hamburger Goldschmied Jan Spille gemeinsam mit den freien Filmemachern Jonathan Happ und Katja Becker von ujuzi.media Kenia und Uganda. Auf diese Reise wollen wir die Besucher der Ausstellung für einen kurzen Augenblick mitnehmen, die in Kooperation mit dem Verein für sozial-ökologischen Wandel e.V. entstehen durfte.

Den dunklen Minenschacht, der mit Geräuschen und Videosequenzen aus Ostafrika zeigt, welch harte Arbeit unter Tage die Menschen leisten um wenige Gramm Gold zu Tage zu fördern durchlaufen, erreicht der Ausstellungs-Besucher einen wüstenartigen Sandplatz über Tage. Er erlebt in Videosequenzen, wie hier von Frauen und Kindern die Steine mit einfachen Hämmern zerschlagen und anschließend mit Quecksilber das Gold aus dem Gesteinsstaub gewaschen wird. Keine Schutzkleidung, barfuss und mit zerissenen T-Shirts, ohne Mund- oder Gehörschutz stehen die Arbeiter in dem Schlamm, in dem mit Quecksilber vergiftetem Wasser.

Jährlich werden weltweit schätzungsweise 727t Quecksilber durch Goldabbau in informellen Minen freigesetzt, was die Goldproduktion zu dem größten Quecksilber-Umweltsünder noch weit vor der Kohleverstromung mit 474t macht. Das Gift gelangt in die Böden, in das Grundwasser und in die Pflanzenwelt. Es findet sich im Blut der Tiere, Arbeiter und Menschen, die in den Minenregionen leben. Die Frauen stillen ihre Kinder direkt an ihren Arbeitsplätzen, an denen sie ohne Schutzhandschuhe mit der giftigen Chemikalie hantieren.

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Um den Ausstellungs-Besuchern positive Alternativen und Handlungsoptionen aufzuzeigen, geht es anschließend zur Bergbaukooperative Sama. Die Goldschürfer wurden 2017 als erste afrikanische Kooperative Fairtrade zertifiziert. Der Besuch gibt Hoffnung auf einen ökologisch- und sozialgerechten Goldbergbau, dem der Goldschmied aus Hamburg sehr am Herzen liegt um eine gerechte und faire Entwicklung im Rohstoffsektor auch in afrikanischen Ländern voran zu bringen. Als Pilotprojekt für Faires Gold haben sie bereits viel erreicht: Frauen und Männer arbeiten gleichberechtigt miteinander. Kinderarbeit ist verboten. Zahlreiche neue Arbeitsschutzstandards wurden etabliert. Neue Technologien garantieren eine umweltfreundliche Goldgewinnung ohne hochgiftiges Quecksilber und Cyanid.

Ausstellung & Vortrag

Wir freuen uns besonders Sie und euch zu unserem Vortrag am 11. Mai um 18.30 Uhr begrüßen zu dürfen, bei dem das Team mit eindrücklichen Bildern und Videos von der Reise und den Erfahrungen vor Ort erzählen wird.

Die Ausstellung ist leider nur teilweise barrierefrei. Bei Unterstützungsbedarf bitte bei den Veranstalterinnen melden.

In Kooperation mit der Stiftung Leben & Umwelt / Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen.

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